Wissenswertes für eine letztwillige Verfügung

Was bedeutet eigentlich…? Die Erfahrung im Umgang mit Nachlassfragen hat uns gezeigt, dass es einige grundlegende und immer wiederkehrende Fragen gibt, auf die Sie im Folgenden Antworten finden. Dabei geht es nicht nur um Fragen des eigentlichen Erbrechts. Wer sich mit dem Thema Vererben beschäftigt weiß, dass auch ganz andere, nicht minder wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Todesfall von Interesse sein können. Das folgende kleine Nachschlagewerk ist als Anregung gedacht, um einen ersten, allgemeinen Überblick zu erhalten.

Glossar

Alleinerbe

Ist eine einzige Person oder eine einzige Organisation als Erbe eingesetzt, wird sie als Alleinerbe bezeichnet.

Auflage

Jeder Erblasser kann im Rahmen seiner letztwilligen Verfügung Auflagen anordnen. Von der Erfüllung solcher Auflagen können die Aussetzung eines Vermächtnisses oder die Erbeinsetzung selbst abhängig gemacht werden. Häufige Beispiele sind die Übernahme der Grabpflege oder der Versorgung von Tieren.

Berliner Testament

Ein Testament, in dem sich Ehegatten gemeinschaftlich, also gemeinsam, gleichzeitig und gegenseitig zu Erben einsetzen, wird auch Berliner Testament genannt. Nach dem Tode des zuletzt Verstorbenen soll der beiderseitige Nachlass an einen Dritten, in der Regel die Kinder, fallen. Das Besondere an einer solchen Testamentsform ist, dass keiner der beiden Ehepartner den gemeinsamen letzten Willen ohne Kenntnis des anderen wieder aufheben oder ändern kann. Die Freiheit für den überlebenden Ehepartner, nach dem Tod des Erstversterbenden neu zu testieren, muss, wenn sie denn gewollt wird, ausdrücklich erwähnt werden.

Bestattung

Sämtliche Bestattungsfragen lassen sich bereits zu Lebzeiten durch einen Vorsorgevertrag bei einem Bestattungsinstitut Ihres Vertrauens regeln. Besondere Wünsche hinsichtlich der Art der Bestattung und der Gestaltung der Trauerfeier sollten schriftlich sicher hinterlegt werden. Eine Erwähnung im Testament reicht nicht aus, da dieses oft erst Wochen oder Monate nach dem Todesfall vom Nachlassgericht eröffnet und bekannt gemacht wird.

Betreuungsverfügung

Sollten Sie dereinst einmal, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr in der Lage sein, Ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, so kann eine rechtliche Betreuung erforderlich werden. Viele möchten vermeiden, dass das Vormundschaftsgericht dann irgendeine Person als amtlichen Betreuer festlegt. Gibt es niemanden, den Sie vorher als Vertrauensperson im Rahmen einer Vorsorgevollmacht bestimmt haben, kann eine Betreuungsverfügung sehr sinnvoll sein.

Damit regeln Sie beizeiten, wer Betreuer bzw. Betreuerin werden soll, welche besonderen Wünsche Sie haben, und in welchem Heim Sie ggf. leben möchten. Als Betreuer kann hier auch ein Mitarbeiter eines Betreuungsvereins eingesetzt werden. Auch wenn die Betreuungsverfügung nicht die gleiche zwingende Bindung wie eine testamentarische Verfügung hat, ist der so zum Ausdruck gebrachte Wille des zu Betreuenden in der Regel maßgeblich für die Entscheidung des Vormundschaftsrichters.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema bietet bspw. das Bundesjustizministerium an.

Digitaler Nachlass

Auch der digitale Nachlass gehört zur Erbschaft. Dabei sind insbesondere zu berücksichtigen: sämtliche gespeicherte Daten auf allen stationären und mobilen Elektronikgeräten, Profile und vor allem Fotos bei sozialen Netzwerken, Rechte an Websites, online abgeschlossene Verträge inkl. Online-Abos, zum Zeitpunkt des Todes online georderte Waren, mögliche Guthaben bei Bezahldiensten oder Spieleportalen, das oder die E-Mail-Konten sowie das Online-Banking.

Es ist unbedingt ratsam, auch das digitale Erbe beizeiten zu regeln. Dazu gehört in erster Linie der Zugang zu Kenn- und Passwörtern. Da eine Testamentseröffnung manchmal länger dauert als gedacht, ist ein Erbe mit einer Vollmacht schneller handlungsfähig als mit einer Regelung im Testament selbst. Weitergehende Informationen finden Sie zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen unter http://www.verbraucherzentrale.de/digitale-daten oder auch www.machts-gut.de.

Enterben

Die Freiheit, als Erben einzusetzen, wen immer Sie wollen, beinhaltet im Umkehrschluss, dass Sie damit auch gesetzliche Erben, also Verwandte, vom Erbe ausschließen und damit enterben können. Der Gesetzgeber hat diese Freiheit allerdings an einer Stelle eingeschränkt: Nahen Angehörigen, d. h. Kindern, Eltern und Ehepartnern, steht in jedem Fall der so genannte Pflichtteil zu. Ein leibliches Kind erhält also auch gegen den ausdrücklichen Willen des Vaters oder der Mutter einen Anspruch auf eine anteilige Geldsumme aus dem Nachlassvermögen.

Erbe

Erbe wird, wer das Vermögen eines anderen nach dessen Tod ganz oder teilweise erhält. Dies kann entweder durch gesetzliche Erbfolge geschehen, oder aber durch testamentarisch festgelegte Erbfolge. Der Erbe wird so genannter Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers, d.h. alle Rechte und alle Pflichten des Erblassers gehen automatisch auf ihn über. Das gilt für alle beweglichen und unbeweglichen Sachen ebenso wie für offene Forderungen oder Verbindlichkeiten. Wer einzelne Gegenstände aus einem Nachlass erbt, ist, trotz des üblichen Sprachgebrauchs, nicht Erbe, sondern Vermächtnisnehmer. Erbe kann eine bestimmte natürliche Person genauso werden wie eine juristische Person, also auch eine gemeinnützige Organisation.

Erbengemeinschaft

Mehrere Erben – sie bilden die Erbengemeinschaft – erben den Nachlass gemeinschaftlich, und zwar ungeteilt. Das bedeutet z. B., dass keiner der Miterben allein über einzelne Nachlassgegenstände verfügen kann.

Erbfolge, gesetzliche

Kinder erben jeweils zu gleichen Teilen, beispielsweise Sohn und Tochter zu 1/2. Enkel erben nicht, solange Kinder leben. Verwandte der 2. Ordnung können nur erben, wenn keine Verwandten 1. Ordnung leben, Verwandte der 3. Ordnung erben erst dann, wenn keine Verwandten vorhergehender Ordnungen mehr leben.

Erblasser

Dieser Begriff aus dem Erbrecht bezeichnet die Person, dessen Vermögen nach ihrem Tode auf den oder die Erben übergeht. Das Gesetz nennt ihn schon vor seinem Tod so.

Erbschaft

Als Erbschaft oder auch Nachlass bezeichnet man das Vermögen des Erblassers, das als Ganzes auf eine oder auf mehrere Personen, den oder die Erben, übergeht. Dabei handelt es sich nicht nur um alle Rechte des Erblassers, sondern ebenso um dessen Pflichten, also möglicherweise auch um dessen Schulden.

Erbteil

Der Erbteil ist der Bruchteil, mit dem einer von mehreren Miterben an der gesamten Erbschaft beteiligt ist.

Erbschein

Der Erbschein ist die offizielle, gerichtliche Bestätigung darüber, dass der oder die Erbe(n) als Rechtsnachfolger des Verstorbenen berechtigt ist bzw. sind, über das gesamte Nachlassvermögen frei zu verfügen. Im Falle der gesetzlichen Erbfolge und bei der Erbfolge auf der Grundlage eines privatschriftlichen, auch handschriftlich genannten Testaments, kann der Erbe das Erbrecht durch einen Erbschein nachweisen. Bei der Beantragung eines Erbscheins prüft das Nachlassgericht beispielsweise, ob der Erblasser nicht andere Testamente errichtet hat, mit denen das vorgelegte Testament widerrufen oder abgeändert wurde. Die Erteilung eines Erbscheins ist mit Gebühren und Kosten verbunden und kann unerwartet lange dauern.

Erbvertrag

Ein Erbvertrag ist wie ein Testament eine Verfügung von Todes wegen, beide werden erst mit dem Ableben des Erblassers wirksam. Im Gegensatz zum Testament ist der Erbvertrag jedoch eine zweiseitige Willenserklärung, mit der sich der Erblasser vertraglich gegenüber seinem Vertragspartner bindet. Damit ist die freie Widerrufbarkeit, wie sie das Testament erlaubt, ausgeschlossen.

Erbschaftsteuer

Als gemeinnützige Organisation sind wir von der Erbschaftsteuerpflicht befreit. Das bedeutet, dass von uns kein Cent an den Fiskus abgeführt werden muss und die geerbten Mittel in vollem Umfang der DGzRS zugute kommen.

Ersatzerbe

Für den Fall, dass der bestimmte Erbe bereits vor dem Ableben des Erblassers verstirbt, ist es sinnvoll, einen Ersatzerben zu benennen. Das gleiche gilt für die Fälle, in denen der Erbe auf sein Erbe verzichtet oder es ausschlägt.

Fehler

Immer wieder zu beobachtende und vermeidbare Fehler im Zusammenhang mit Testamentsgestaltungen:

  • Nichtbeachtung der Formvorschriften beim privatschriftlichen Testament
  • Fehlende oder unvollständige Personalien und Adressen von Erben und Vermächtnisnehmern
  • Verwendung unklarer oder mehrdeutiger Begriffe wie Barvermögen oder Ersparnisse
  • Verwechslung von Vor- und Nacherbe, Voll- und Schlusserben
  • Unvollständige Verfügungen ohne Erbquoten
  • Fehlende Ersatzerben
  • Nichtberücksichtigung der Liquidität der Erben, insbesondere bei Pflichtteilsanordnungen
  • Fehlende Aktualisierung nach Änderung in den Familien oder Vermögensverhältnissen
  • Fehlende Vermögensübersichten
  • Regelung der Bestattungswünsche im Testament

Formulierungshilfen

Konkrete Formulierungsbeispiele finden Sie unter unseren Testamentsbausteinen.

Ein ganz wichtiger Punkt, der bei Nichtbeachtung immer wieder zu vermeidbarem Ärger und vor allem Zeitverzögerungen führt, ist die korrekte Bezeichnung des Erben oder Vermächtnisnehmers. Tragen Sie sich mit dem Gedanken, die DGzRS hier einzusetzen, führen Formulierungen wie Die Seenotretter oder aber die Einsetzung einzelner Rettungsstationen zu Problemen: In solchen Fällen ist der Erbe nicht eindeutig bestimmt, zudem stoßen solche Formulierungen bei Nachlassgerichten häufig auf Unkenntnis.

Falls Sie die DGzRS im Testament berücksichtigen möchten, verwenden Sie bitte nur die vollständige, korrekte Anschrift:
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Werderstraße 2, 28199 Bremen

Grabpflege

Die Grabpflege lässt sich bereits zu Lebzeiten regeln. Nehmen Sie dazu am besten Kontakt zu der für Ihr Bundesland zuständigen Treuhandstelle für Dauergrabpflege auf.

Hinterlegungsschein

Der Beleg des Amtsgerichts über die amtliche Verwahrung eines Testaments wird Hinterlegungsschein genannt. Er ist sicher aufzubewahren, die Einreichung des Hinterlegungsscheins im Todesfall beschleunigt die Testamentseröffnung meistens erheblich.

Informationsfluss

Manchmal kann es hilfreich sein, sich klarzumachen, wer eigentlich wen im Todesfall benachrichtigt. Nach dem Ableben des Erblassers beginnt folgende Informationskette:

  • Die Hinterbliebenen informieren den Arzt, wenn der Tod eingetreten ist. Der Arzt stellt dann den Totenschein aus.
  • Über das Bestattungsunternehmen wird beim Geburtsstandesamt eine Sterbeurkunde besorgt.
  • Das Standesamt stellt die Sterbeurkunden aus, die die Hinterbliebenen über das Bestattungsunternehmen erhalten, und informiert das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer.
  • Die Bundesnotarkammer benachrichtigt im Sterbefall das Nachlassgericht.
  • Das zuständige Nachlassgericht eröffnet hinterlegte und eingereichte Testamente von Amts wegen. Es informiert die Erben und Beteiligten.
  • Über den vollständigen Testamentswortlaut werden die testamentarischen Erben sowie die gesetzlichen Erben, soweit feststellbar, informiert. Vermächtnisnehmer erhalten nur die sie betreffenden Auszüge des Testaments.
  • Das Nachlassgericht informiert das lokale Grundbuchamt, wenn aus dem Testament oder durch Auskunft der Beteiligten davon auszugehen ist, dass Grundstücke oder Eigentumswohnungen zum Nachlass gehören und sich am letzten Wohnort befinden. Das Grundbuchamt wendet sich dann an den oder die Erben mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Grundbuchberichtigung.
  • Banken und Sparkassen sind gesetzlich verpflichtet, Kontrollmeldungen über sämtliche Konten mit ihrem Wert zum Todestag an das Finanzamt zu geben, die dann Basis für die Berechnung einer gegebenenfalls anfallenden Erbschaftssteuer sind. Die DGzRS ist allerdings von der Erbschaftssteuer befreit.

Damit diese Informationskette aber erst einmal in Gang gesetzt werden kann, empfiehlt es sich insbesondere dann, wenn keine näheren Angehörigen vorhanden sind, die im Todesfall zu benachrichtigenden Person(en) mit Kontaktdaten bei sich zu tragen, z.B. in der Brieftasche oder im Portemonaie.

Lebensversicherung

Sie haben eine Lebensversicherung abgeschlossen: Dann können Sie einen oder mehrere Bezugsberechtigte für den Todesfall bestimmen. Der so Benannte erhält im Falle des Ablebens die Versicherungssumme und die Überschussanteile. Meistens genügt ein formloser Brief an die Versicherungsgesellschaft zur Benennung oder Änderung eines Bezugsberechtigten. Gründe müssen nicht angegeben werden, der Berechtigte muss nicht einmal davon erfahren oder gar mitwirken. Bedenken Sie bitte, dass eine Lebensversicherung nicht in das Erbe fällt, solange ein Begünstigter benannt und bei Eintritt des Erbfalls auch tatsächlich vorhanden ist. Der Bezugsberechtigte hat im Todesfall des Versicherungsnehmers einen eigenen, direkten Anspruch gegenüber dem Versicherer, ohne Erbe geworden zu sein. Vor allem im Zusammenhang mit Pflichtteilsansprüchen ist dies nicht ohne Bedeutung. Eine Auszahlung erfolgt in der Regel schnell, meist noch vor einer Erbscheinerteilung für die Erben.

Legat

Ein Vermächtnis wird auch als Legat bezeichnet.

Miterben

Miterben sind mehrere Beteiligte an demselben Nachlass, denen jeweils ein Anteil, der Erbteil, zusteht.

Nachlass

Als Nachlass oder auch Erbschaft wird das gesamte Vermögen des Erblassers bezeichnet, das auf einen oder auf mehrere Erben übergeht.

Nachlassgericht

Das Nachlassgericht ist eine Abteilung des Amtsgerichts. Zuständig ist immer, und zwar unabhängig vom Umfang des Nachlasses, das örtliche Amtsgericht. Maßgeblich ist dabei der letzte Wohnsitz, nicht der Sterbeort. Vor dem Erbfall ist es Aufgabe des Nachlassgerichts, ein Testament in amtliche Verwahrung zu nehmen. Dies bezieht sich auf privatschriftliche Testamente ebenso wie auf notariell beurkundete Testamente. Ein privatschriftliches Testament kann der Erblasser persönlich beim Gericht hinterlegen.

Für die Hinterlegung ist eine Gebühr in Abhängigkeit vom Vermögenswert zu entrichten. Als Quittung stellt das Nachlassgericht einen Hinterlegungsschein aus. Bei einem mit einem Ortswechsel verbundenen Umzug des Testierenden ist eine Änderung des Verwahrungsorts nicht notwendig, denn jedes Testament in amtlicher Verwahrung wird beim Zentralen Testamentsregister registriert. Das Nachlassgericht ist also in jedem Fall der sicherste Aufbewahrungsort für Testamente. In die Abwicklung eines Nachlasses greift das Gericht von Amts wegen nicht ein. Ausnahmen gibt es nur in den Fällen, wo der Erbe oder sein Aufenthaltsort unbekannt oder die Annahme der Erbschaft unklar ist. Dann kann das Gericht Nachlasssicherungsmaßnahmen veranlassen, um zu vermeiden, dass Nachlasswerte in falsche Hände geraten. Dazu gehört vor allem die Einsetzung eines Nachlasspflegers.

Nachlasspfleger

Nur dann, wenn die Erben unbekannt oder nicht auffindbar sind, setzt das Nachlassgericht einen Nachlasspfleger ein. Er vertritt die zukünftigen wirtschaftlichen Interessen der Erben und handelt in deren Namen. Seine Aufgaben sind die Sicherung des Nachlassvermögens gegen unberechtigte Verfügungen, die Verwaltung und der Erhalt des Erbes und die Ermittlung der Erben. Er untersteht der Aufsicht des Nachlassgerichts.

Patientenverfügung

Mit einer Patientenverfügung, auch Patiententestament genannt, können Sie Ihren persönlichen Willen dokumentieren, ob lebensverlängernde medizinische Maßnahmen erfolgen sollen, wenn Sie wegen schwerer Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage sein sollten, selbst zu entscheiden.

Pflichtteil

Der Gesetzgeber räumt Ihnen bei der Testamentsgestaltung weitgehende Freiheiten ein. Allerdings haben Kinder, der Ehepartner und die Eltern immer Anspruch auf zumindest einen Teil des Erbes: Den so genannten Pflichtteil. Er beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Ein Pflichtteil muss spätestens drei Jahre nach Bekanntwerden des Erbfalls geltend gemacht werden.

Folgende Personen, und nur diese, haben Anspruch auf den Pflichtteil und können nicht in vollem Umfang enterbt werden: Ehepartner, Kinder, Enkel, Eltern (entsprechend der familiären Konstellation). Alle anderen Verwandten, also Geschwister, Onkel, Tanten, Nicht und Neffen sind nicht pflichtteilsberechtigt.

Die Höhe des Pflichtteils beträgt immer die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Beispiel: Hinterlässt der Verstorbene zwei erbberechtigte Kinder und hat der Nachlass einen Wert von 80.000 Euro, erhält jedes Kind nach gesetzlicher Erbfolge die Hälfte von je 40.000 Euro, sofern kein Ehepartner mehr da ist. Wird dagegen eines der beiden Kinder im Testament vom Erbe ausgeschlossen (auf den Pflichtteil gesetzt), steht ihm nur noch die Hälfte des gesetzlichen Erbes als Pflichtteil zu, also 20.000 Euro.

Rechtsform

Wer sich entschließt, einen gemeinnützigen Verein in einem notariellen Testament zu bedenken, wird vom Notar nach der Rechtsform des Vereins gefragt. Die DGzRS ist kein eingetragener Verein (e.V.), da es im Jahre der Gründung 1865 noch kein Bürgerliches Gesetzbuch gab, mit dem die Rechtsform des eingetragenen Vereins erst eingeführt wurde. Sie ist deshalb auch nicht im Vereinsregister eingetragen. Die DGzRS ist, dem damaligen Sprachgebrauch folgend, ein rechtsfähiger Verein kraft staatlicher Verleihung.

Schlusserbe

Schlusserbe ist derjenige Erbe, der erst als letzter in einer Kette von Erben erbt. In der Regel ist dies im Rahmen eines Berliner Testaments gegeben, wenn Eheleute sich zuerst gegenseitig als Erben einsetzen und dann ihre Kinder oder aber eine gemeinnützige Organisation als Schlusserben. Der Schlusserbe ist nicht zu verwechseln mit dem Nacherben bei Vor- und Nacherbschaft.

Seebestattung

Über Fragen einer Seebestattung informiert Sie jedes örtliche Bestattungsinstitut. Es existieren eine Reihe von Seebestattungsreedereien an der Küste, die je nach Wunsch auf der Nord- oder Ostsee, oder aber auch weltweit tätig werden. Eine Seebestattung mit einem unserer Seenotrettungskreuzer ist in Absprache mit den kommerziellen Seebestattungsreedereien nur für eigene Mitarbeiter und nicht für Dritte möglich. Die einzige Ausnahme bezieht sich auf Alleinerbschaften für die DGzRS.

Steuern

Die Testamentsgestaltung kann erhebliche steuerlich relevante Konsequenzen haben. Insbesondere im Ehegatten-Erbrecht und im Falle von Firmenbeteiligungen raten wir unbedingt dazu, sich durch einen Steuerberater, einen Rechtsanwalt oder einen Notar beraten zu lassen. Die DGzRS zahlt bei einer Berücksichtigung im Testament keine Erbschaftsteuer.

Stiftung

Das Stiftungsrecht ist ein Spezialthema, dessen Behandlung den vorliegenden Rahmen sprengen würde. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie erwägen, die DGzRS im Rahmen einer Stiftung zu berücksichtigen.

Testament, notarielles

Die eher missverständliche offizielle Bezeichnung für ein notarielles Testament ist öffentliches Testament. In der Regel ist damit die mündliche Erklärung vor einem Notar gemeint. Der Notar prüft die Testierfähigkeit und sorgt für unverzügliche amtliche Verwahrung des Testaments. Das notarielle Testament hat darüber hinaus den Vorteil, dass es die Beratung durch eine Fachkraft Ihrer Wahl beinhaltet. Zudem erleichtert ein eröffnetes notarielles Testament die Abwicklung durch die Erben und erspart häufig den Erbschein. Allerdings erhebt der Notar Gebühren für sein Tätigwerden.

Testament, privatschriftliches

Bei der Verfassung eines privatschriftlichen, auch eigenhändigen Testaments sind einige wichtige Formvorschriften zu beachten, damit das Testament Gültigkeit besitzt. Die gesamte Urkunde muss vollständig eigenhändig geschrieben und mit Vor- und Nachnamen unterschrieben sein. Es sollte aus der Überschrift hervorgehen, dass es sich um ein Testament bzw. einen letzten Willen handelt, und es sollte mit Ort und Datum versehen sein.

Testament, Verwahrung

Welcher Aufbewahrungsort für Ihr Testament sicher ist, hängt sehr von Ihren persönlichen Umständen ab. Der sicherste Ort ist in jedem Fall das Amtsgericht, die so genannte amtliche Verwahrung, auch wenn das mit Gebühren verbunden ist. Nur dort ist zweifelsfrei sicher gestellt, dass das Testament nach dem Ableben auch tatsächlich eröffnet wird. Nicht hinterlegte Testamente können verloren gehen, nicht aufgefunden, vernichtet oder gefälscht werden. Beim notariellen Testament sorgt der Notar für die amtliche Hinterlegung, das privatschriftliche Testament können Sie selbst beim Amtsgericht hinterlegen. Gewarnt werden muss vor der Aufbewahrung eines Testaments im Schließfach einer Bank. Liegt keine Vollmacht des Erblassers über den Tod hinaus vor, benötigt der Erbe für die Öffnung des Faches zu seiner Legitimation gegenüber der Bank genau das im Schließfach befindliche Dokument.

Testamentseröffnung

Das Nachlassgericht beraumt von Amts wegen einen Termin zur Testamentseröffnung an, zu dem die Beteiligten in der Regel nicht geladen werden. Bei diesem Termin wird das oder werden die Testament(e) eröffnet und den Beteiligten bekannt gemacht. Dies geschieht durch Übersendung beglaubigter Abschriften. Das Gericht prüft bei der Eröffnung nicht, ob das Testament den Formvorschriften entspricht oder gültig ist. Gibt es von Seiten der Beteiligten berechtigte Zweifel, müssen diese im Erbscheinverfahren geklärt werden. Jeder, der ein Testament in Besitz hat oder findet, ist gesetzlich verpflichtet, es unverzüglich und unbeschädigt an das Nachlassgericht abzuliefern. Die Gültigkeit von Testamenten zu beurteilen ist allein Aufgabe des Gerichts, nicht des Besitzers oder der Angehörigen.

Erst eine Testamentseröffnung durch das Nachlassgericht ermöglicht es, die Wünsche des Testamentsverfassers umzusetzen.

Testamentsvollstrecker

Eine Testamentsvollstreckung kann vom Erblasser im Testament angeordnet werden. Gründe für das Vorsehen eines Testamentsvollstreckers sind beispielsweise zu erwartende Erbstreitigkeiten, ein sehr umfangreicher oder wertvoller Nachlass, oder aber eine voraussichtlich außergewöhnlich lang andauernde Abwicklung.

Ein Testamentsvollstrecker vollzieht den letzten Willen des Erblassers, notfalls auch gegen den Widerspruch der Erben. Grundsätzlich kann jeder zum Testamentsvollstrecker bestimmt werden, also nicht nur ein Jurist. Der mit einer Testamentsvollstreckung verbundene Aufwand und die notwendige Kompetenz für dieses Amt sind jedoch nicht zu unterschätzen. Benennen Sie deshalb möglichst nur einen Ihnen persönlich bekannten Testamentsvollstrecker, der jünger ist als Sie, der über die notwendigen menschlichen und fachlichen Qualitäten verfügt und mit dem Sie darüber gesprochen haben. Da Sie nicht unbedingt davon ausgehen können, dass der von Ihnen vorgesehene Testamentsvollstrecker später auch tatsächlich in der Lage sein wird, das Amt anzunehmen, empfiehlt sich die Benennung eines Ersatz-Testamentsvollstreckers.

Ein Testamentsvollstrecker hat in jedem Fall Anspruch auf eine angemessene Vergütung, die zur Vermeidung von Unstimmigkeiten bereits im Testament selbst geregelt sein sollte. Ein Testamentsvollstrecker ist nicht mit einem Nachlasspfleger zu verwechseln. Letzterer wird vom Nachlassgericht bestimmt, wenn der oder die Erbe(n) unbekannt sind.

Testierfreiheit

Der Gesetzgeber bezeichnet mit diesem Begriff das grundsätzliche Recht eines jeden, zu Lebzeiten völlig frei, ohne Grund und in beliebiger Weise (aber entsprechend den Formvorschriften) über das eigene Vermögen zu bestimmen und von der gesetzlichen Erbfolge abzuweichen.

Vermächtnis

Wer jemandem etwas vererben möchte, ohne ihn mit der Stellung eines Erben zu belasten (Abwicklung der Erbschaft einschließlich aller Formalitäten und Pflichten), wendet ihm bestimmte Gegenstände oder Geldbeträge als Vermächtnis zu. Der durch ein Vermächtnis Begünstigte, der Vermächtnisnehmer, kann vom Erben die Herausgabe des vermachten Gegenstands fordern. Im Testament sollte eine Vermächtnisanordnung ausdrücklich als solche formuliert werden. Ein Vermächtnis wird auch als Legat bezeichnet.

Vor- und Nacherbe

Wählt ein Erblasser die Konstruktion einer Vor- und Nacherbschaft, fällt das Erbe nach dem Ableben des Erblassers zunächst dem Vorerben zu. Erst wenn dieser verstirbt, geht das Erbe an den Nacherben. In solch einem Fall wird der Erblasser also zweimal beerbt, der Nacherbe erbt nicht vom Vorerben, sondern vom ursprünglichen Erblasser. Steuerlich jedoch werden beide als Vollerben behandelt, so dass zweimal Erbschaftsteuer fällig wird. Bei solch einer Konstruktion ist in jedem Fall intensive Beratung erforderlich.

Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Vertrauensperson, Ihre Angelegenheiten zu regeln, sollten Sie dazu einmal nicht mehr in der Lage sein.

Widerruf

Sie können ein Testament oder Teile davon jederzeit frei widerrufen, ohne einen Grund angeben zu müssen. Dies geschieht entweder dadurch, dass Sie ein neues Testament errichten, in dem Sie sicherheitshalber alle vorhergehenden ausdrücklich für ungültig erklären. Oder aber Sie beziehen sich auf ein vorhandenes Testament und ändern einzelne Verfügungen, ohne gleich das ganze Testament zu widerrufen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um ein privatschriftliches oder ein notarielles Testament handelt und ob es sich in amtlicher Verwahrung befindet oder nicht. Gültig ist immer das jüngste, den Formvorschriften entsprechende Testament.

Zentrales Testamentsregister

Seit dem 1. Januar 2012 existiert ein Zentrales Testamentsregister, das von der Bundesnotarkammer verwaltet wird. Damit ist sichergestellt, dass sämtliche in amtlicher Verwahrung hinterlegten Testamente im Sterbefall auch tatsächlich bekannt und eröffnet werden.